Elbvertiefung

Für die Beantwortung der Frage nach den Positionen der Parteien zur Elbvertiefung hier eine Analyse der Wahlprogramme der größeren Parteien, die sich um Mandate im Niedersächsischen Landtag bewerben. Diese Analyse wurde vom Mitglied und Moderator unseres Niederelbe-Forums "Jens" zusammengestellt, dem ich an dieser Stelle sehr herzlich für seine Arbeit danke! (Im Niederelbe-Forum besteht die Möglichkeit, mit dem Autoren "Jens" und mit anderen Mitgliedern über diese Ausarbeitung zu diskutieren: hier klicken!)

 

Elbvertiefung –

Überblick Positionen der Parteien im Wahlkampf um den Landtag in Niedersachsen

Am 27. Januar 2008 sind Landtagswahlen in Niedersachsen. Ein wichtiges Thema für die Menschen an der Unterelbe sind die Positionen der Parteien zur „Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe“, im allgemeinen Sprachgebrauch auch als „Elbvertiefung“ bezeichnet. Im weiteren Text werde ich daher nur den Begriff Elbvertiefung verwenden.

Um Fakten in die Diskussion einzubringen habe ich mir die zur niedersächsischen Landtagswahl beschlossenen Wahlprogramme der Parteien im Bezug auf Stellungnahmen zur Elbvertiefung durchgesehen. Die gewonnenen Erkenntnisse möchte ich hier einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen, da sich momentan sicher viele Leute an der Unterelbe überlegen wen sie nächstes Jahr vor dem Hintergrund der drohenden Elbvertiefung überhaupt noch wählen können.

Für den eiligen Leser habe ich die Positionen der Parteien (lt. jeweiligem Wahlprogramm) mal auf den Punkt gebracht (Parteien in alphabetischer Reihenfolge):


Bündnis 90/Die Grünen:
Klare Ablehnung

CDU:
Zustimmung (unter Vorbehalt, dass Deichsicherheit gewährleistet sein muss)

Die Linke:
Klare Ablehnung

FDP:
Zustimmung (unter Vorbehalt, dass Deichsicherheit gewährleistet sein muss)

SPD:
Es ist keine Aussage zur Elbvertiefung im Wahlprogramm enthalten.

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Wer etwas mehr Zeit hat sollte sich hier nun die Aussagen der Parteien und einen Kommentar meinerseits in Ruhe durchlesen.

Bündnis 90/Die Grünen:

Zitat:

„Zentrales Ziel unserer Seehafenpolitik ist eine norddeutsche Hafenkooperation, um Ladungsverkehre,

insbesondere den weiter wachsenden Containerverkehr, arbeitsteilig abzuwickeln. Knappe öffentliche

Mittel dürfen nicht länger im Ausbauwettlauf der Häfen untereinander verpulvert werden. Aufgrund sei-

ner geografischen Lage und des naturgegebenen tiefen Fahrwassers muss der JadeWeserPort zu dem

deutschen Tiefwasserhafen werden. Weitere Vertiefungen von Unterelbe und Außenweser sind damit

überflüssig.“
(Quelle: Wahlprogramm Bündnis 90/Die Grünen, S. 19)



"Lebendige Gewässer

Alle Pläne zu Vertiefungen müssen gestoppt werden – bei Unterelbe, Unter- und Außenems sowie Au-

ßen- und Unterweser. Die für den Hochwasserschutz im Binnenland erforderlichen Überschwem-

mungsgebiete sind zu erweitern beziehungsweise wieder herzustellen. Wo irgend möglich, sind Fließ-

gewässer inklusive ihrer Auen und Altarme zu erhalten oder zu renaturieren. Entsprechende Maßnah-

men sind ein Beitrag zum Natur- und Artenschutz – und sie vermindern die Pegelstände bei Hochwas-

ser.“

Quelle: Wahlprogramm Bündnis 90/Die Grünen, S. 21-22
Download des Wahlprogramms: hier



Klare Ansage.

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CDU:

Zitat:

„Wir setzen uns für die verkehrliche Hinterlandanbindung der Häfen ein.
So stellen wir einen reibungslosen Übergang von der See auf Straße und
Schiene sicher.


Wir machen uns stark für einen weiteren Ausbau unserer wichtigen Wasserstraßen
und prüfen die Finanzierung neuer Projekte in der Binnenschifffahrt
auf Flüssen und Kanälen. Die Vertiefung der Fahrrinnen von
Ems und Weser unter zwingender Gewährleistung der Deichsicherheit
und ökologischer Belange werden wir vorantreiben.


Die Nordstrecke des Dortmund-Ems-Kanals zwischen Lingen und Rheine
muss zügig ausgebaut werden. Die Strecke soll als wichtige Verbindung
aus dem Ruhrgebiet nach Niedersachsen auch für große Frachtbinnenschiffe
befahrbar sein. Die Sanierung der Schleusen am Dortmund-Ems46
Kanal ist dafür Voraussetzung. Den Ausbau der Mittelweser von Bremen
bis Minden und die damit verbundenen Schleusenanpassungen werden
wir mit Nachdruck verfolgen und vorantreiben. Auf Dauer müssen auch
ein Ausbau der Anbindung Osnabrücks über den Mittellandkanal und ein
Ausbau des Küstenkanals von Oldenburg bis Dörpen erfolgen.


Für eine Verbesserung der Wasserstraßenverbindung zwischen der Elbe
und dem Mittellandkanal ist auch die Anpassung des Schiffshebewerkes
in Scharnebeck bei Lüneburg erforderlich.

Gegen die geplante Vertiefung der Elbe haben wir aus Gründen der
Deichsicherheit sowie der Folgen für Natur und Landschaft schwerwiegende
Bedenken. Ohne verlässliche Bewertung früherer Elbvertiefungsmaßnahmen
und Ausräumung aller berechtigten Einwände kann das Land
kein Einvernehmen zur Vertiefung der Elbe herstellen.“

 

Quelle: Wahlprogramm CDU, S. 46
Download des Wahlprogramms: hier



Nur eine unkonkrete Aussage („wischi-waschi“ könnte man es auch nennen), die alles offen lässt...
Alles in allem muss man wohl sagen, dass CDU der Elbvertiefung zustimmen möchte.
Denn nach der Wahl wird man dann wahrscheinlich ganz schnell zu der Einsicht gelangen, dass die Deichsicherheit gewährleistet ist.
 

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Die Linke:

Zitat:

„DIE LINKE lehnt eine weitere Elbvertiefung ab, weil diese nicht erforderlich ist und unabsehbare Schäden anrichten kann“

 

Quelle: Wahlprogramm Die Linke, S. 41
Download des Wahlprogramms: hier



Klare Aussage.
 

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FDP:

Zitat:

„Die vorgesehene Fahrrinnenvertiefung der Elbe ist aus Sicht der FDP für den Hafenstandort Hamburg und die umliegende Region von großer Bedeutung. Auch in Niedersachsen sind zehntausende Arbeitsplätze abhängig vom Hamburger Hafen.
Neben diesem positiven Aspekt müssen jedoch die zu befürchtenden Nachteile sorgsam
abgewogen werden.
Für die FDP Niedersachsen ist dabei die Sicherheit der Deiche und der
dort lebenden Menschen und ihrer Güter entscheidend. Neben Aspekten der
Umweltverträglichkeit ist daher aus Sicht der FDP die Deichsicherheit unbedingte
Voraussetzung für eine weitere Vertiefung der Elbe. Diesem Anliegen müssen die
Vorhabenträger, die Freie und Hansestadt Hamburg und der Bund, im Sinne des
Verursacherprinzips unbedingt Rechnung tragen. Ohne dass die Deichsicherheit garantiert ist, wird die FDP einer Einvernehmenserteilung Niedersachsens nicht zustimmen. Neben der
Deichsicherheit ist die Abarbeitung der Auflagen aus der letzen Elbvertiefung Grundvoraussetzung einer Einvernehmensregelung.

Für die FDP Niedersachsen ist die Sicherheit der niedersächsischen Küste und der
vorgelagerten Inseln, ihrer Deiche und Dünen, vor allem aber die Sicherheit der dort lebenden Menschen und Güter, von herausragender Bedeutung. Oberstes Ziel und eine Daueraufgabe ist es, für die im Küstenraum lebende Bevölkerung überall ein gleichwertiges und optimales Schutzniveau zu erreichen. Hierbei muss aus Sicht der FDP auch die notwendige Vorsorge im Hinblick auf den Meeresanstieg berücksichtigt werden.

Die FDP wird sich dafür einsetzen, dass:
- die Mittel für den Küstenschutz erhöht werden;

- zusätzliche Mittel verstärkt für die Behebung von Schwachstellen speziell in Bereichen
der Bundeswasserstraßen und der Inseln eingesetzt werden;

- der Bund seiner gesamtstaatlichen Verantwortung gerecht wird und die seit 1998
sukzessive zurückgefahrenen Finanzmittel für den Küstenschutz wieder aufstockt;

- die Gewinnung des notwendigen Deichbaumaterials wirtschaftlich erfolgt, u.a. dadurch,
dass eine Kleientnahme unter Berücksichtigung ökologischer Belange auch
außendeichs erfolgen kann;

- dem vermehrten Anfall von Treibsel und den dadurch bedingten Kosten für Entsorgung
und Maßnahmen für die Deichsicherheit durch geeignete Bewirtschaftung des
Deichvorlandes entgegengewirkt wird.“


Quelle: Wahlprogramm der FDP, S. 44-45
Download des Wahlprogramms: hier



Die Aussage ist ähnlich wie die der CDU zu sehen – also tendenziell Zustimmung zur Elbvertiefung. Allerdings scheint die FDP noch mehr Bedingungen für eine Zustimmung zu einer weiteren Elbvertiefung zu stellen.

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SPD:


Download des Wahlprogramms: hier

Im Wahlprogramm der SPD zur niedersächsischen Landtagswahl ist keine einzige Aussage zur Elbvertiefung zu finden.
Böse formuliert kann man daraus schließen, dass der SPD die Menschen an der Niederelbe völlig egal sind.


Man kann es aber auch so auffassen, dass die niedersächsische SPD einer weiteren Elbvertiefung bedingungslos zustimmen wird. Damit wäre sie dann auch auf der Linie des Bundesministers Wolfgang Tiefensee (SPD), der eine weitere Überprüfung des Bedarfs der Elbvertiefung zwar zugesagt hat (als er in Otterndorf vor Ort war), sich an seine Aussagen jetzt aber nicht mehr erinnern will.


Und in diesem Zusammenhang ist mir auch nicht klar wieso es Margrit Wetzel, die angeblich so engagiert gegen die Elbvertiefung kämpft, nicht geschafft hat, dafür zu sorgen, dass die SPD bei der Abfassung des Wahlprogramms eine Aussage zur Elbvertiefung trifft.

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(Diese Analyse wurde vom Mitglied und Moderator unseres Niederelbe-Forums "Jens" zusammengestellt, dem ich an dieser Stelle sehr herzlich für seine Arbeit danke! Im Niederelbe-Forum besteht die Möglichkeit, mit dem Autoren "Jens" und mit anderen Mitgliedern über diese Ausarbeitung zu diskutieren: hier klicken!)