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Pressemitteilung des
"Regionalen Bündnisses gegen Elbvertiefung"
vom 04.02.2008:
Für alles eine
Lösung?
Die aktuellen Töne der Hamburger Politik stoßen
sowohl im Umland als auch beim Bund auf Unverständnis und erhebliche
Kritik. Mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit wird erneut versucht,
egoistisch in die Nachbarländer „hineinzuregieren“. Die Kette
ultimativer Forderungen wie Elbvertiefung gegen Welterbe oder
Schlickfonds reißt auch weiterhin nicht ab. Als besonders unsensibel
werden die jüngsten Äußerung von Wirtschaftssenator Uldall zur
Elbvertiefung empfunden: „Dafür werden wir sorgen – und zwar schnell,“
Dieser Stil erinnert an 800 Jahre Hegemonialpolitik auf der Elbe und
allerlei restriktive Vorschriften für die Häfen des Umlands, zuletzt das
Verbot des Containerumschlags in Cuxhaven.
Dabei kann die Behauptung, für alle Probleme der
Fahrrinnenanpassung eine Lösung zu haben, nicht ernst genommen werden,
denn es liegen bisher gar keine geeigneten und aussagekräftigen
Untersuchungen z. B. für die Auswirkungen der Fahrrinne auf die Deiche
vor. Solange man in Hamburg noch den eigenen gutachtlichen Aussagen
Glauben schenkt, dass Jogger die größte Gefahr für die Deiche sind, hat
man die Dimension des Problems nicht erkannt und ist von Lösungen weit
entfernt. Das zeigt sich nicht zuletzt auch an der vermeintlichen
„Lösung“ des Problems der Verschlickung der kleinen Häfen durch einen
Fonds, der eher einem Almosen gleichkommt und die bereits durch die
letzte Elbvertiefung entstandenen Schäden einfach ignoriert.
Doch bereits die letzte Elbvertiefung hat den
Strom deutlich verändert. Weil für eine Baumaßnahme wie diese gesicherte
Prognosen nur für 3 Jahre möglich sind wurde ein Beobachtungszeitraum
von 15 Jahren von der Plankommission für erforderlich gehalten und
vorgeschrieben. Inzwischen sind erwartungsgemäß erhebliche
unprognostizierte Folgen erkennbar geworden, wie u. a. der beschleunigte
Wattverlust vor Otterndorf, die ständig zunehmende
Strömungsgeschwindigkeit, und die infolgedessen unverhältnismäßig
gestiegenen Unterhaltungsbaggerungen. Zum Vergleich: 14 Mio. cbm wurden
für den letzten Ausbau gebaggert und 38,5 Mio. cbm sollen es für den
nächsten sein. Inzwischen sind aber die Unterhaltungsbaggerungen in
Unterelbe und Hamburger Hafen bereits sage und schreibe auf 20 Mio. cbm
jährlich angestiegen, also 50 Prozent mehr als für die gesamte letzte
Baumaßnahme erforderlich waren. Ein erheblicher Anteil davon wird
ständig teuer im Kreislauf gebaggert, wovon außerdem eine erhebliche
Umweltbelastung ausgeht.
Die durchaus mit Stolz präsentierten Erfolge beim
Containerumschlag sprechen aber nicht für sondern eher gegen eine
weitere Vertiefung der Unterelbe. Der seit Jahren ungebrochene Boom des
Containerumschlags basiert auf der gegenwärtigen Tiefe und eben jenen
Schiffen, für die die Elbe angeblich vertieft werden soll: 350 m lang,
46 m breit und 14,5 m Konstruktionstiefgang mit bis zu über 10.000 TEU.
Schiffe mit über 10.000 TEU laufen den Hamburger Hafen regelmäßig als
Ersthafen an und nur ca. 240 von 1050 aller Fahrten der
Super-Post-Panmax-Containerschiffe auf der Elbe findet tideabhängig
statt, das sind weniger als ein Viertel. Die in Hamburg genannte Zahl
von fast 2000 tideabhängigen Schiffsbewegungen deckt sich nicht mit den
Beobachtungen und Erhebungen des regionalen Bündnis gegen Elbvertiefung.
Der immer wieder genannte enge Zusammenhang
zwischen Elbvertiefung und Arbeitsmarkt kann demzufolge aus den
vorliegenden Erkenntnissen nicht abgeleitet werden. Die in Hamburg
genannten Größenordnungen passen auch nicht zu den Angaben der anderen
großen Hafenstädte. Echte „harte“ Zahlen über die Bedeutung des Hafens
sind in Hamburg ohnehin nicht zu bekommen, auch auf konkrete Nachfrage
nicht. Die öffentlich genannten Zahlen stammen aus undurchsichtigen
Berechnungen und werden von Experten als „Mondzahlen“ bezeichnet. Einen
belegten Zusammenhang zwischen Elbvertiefung und Arbeitsmarkt gibt es de
facto nicht.
Das überdimensionale Euro-Zeichen in den Augen
verschließt offensichtlich in Hamburg zunehmend den Blick für die
ungelösten Probleme an der Unterelbe und im Wattenmeer. Für eine
Abwägung der unterschiedlichen Interessen gab und gibt es dort immer
noch keinen Raum. Selbst wenn sich – auf Kosten anderer – noch ein paar
Container mehr nach Hamburg lotsen lassen sollten, die wahren Gewinner
können nur die Bagger sein.
Für das Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung
mit freundlichen Grüßen
Walter Rademacher
(Quelle:
Regionales Bündnis gegen Elbvertiefung)
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